Informationsarchitektur.

Egal wie locker flockig intuitiv oder modular die Seiten einer interaktiven Anwendung gestaltet sind, egal ob sich bei page reload die ganze Seite oder nur ein Teil austauscht, egal ob jede Seite ihr eigenes Template hat, oder ein Template hunderte von Seiten befüllt – ohne die Sitemap läuft nichts. 

Der Flaschenhals ist hier der Mensch. Egal ob wir im Projektteam oder auf Kundenseite sitzen, wir brauchen zum Verständnis einer Sachlage eine Übersichtskarte. Bei jedem interaktiven Projekt stelle ich deswegen so früh wie möglich eine Übersichtskarte aller Seiten des Konzeptes her. Zuerst rudimentär, den Basisseiten des Grobkonzeptes entsprechend, dann im Verlauf des Projektes mehr und mehr ausgearbeitet.  

Wenn man so etwas ein paar Jahre (oder Jahrzehnte) macht, wird irgendwann klar, dass weiße Boxen mit Titeln und verwirrenden Verbindungslinien auf hunderten von A4 Seiten verteilt nicht mehr “das Ding” sind. Eigentlich kommen heute alle Seiten oder Views aus einem Template. Das kann man das Template gleich mit darstellen. Und wo es geht auch gleich den Userflow und warum nicht auch gleich die Module, aus denen sich das Template zusammensetzt, und deren Namen, und so weiter. Das ganze auf ein paar A3 Seiten gedruckt und zusammengeklebt entsteht so das Equivalent einer “Projekt-Straßenkarte”, mit der die für die Struktur der Anwendung relevanten Infos auf einen Blick erfassbar sind. Und vielleicht auch am Ende vor allem deswegen besser als einzelne Seiten angenommen wird, weil diese am Ende keiner mehr wiederfindet. (Nun ja, stimmt nicht ganz, die inzwischen veralteten Dokumentversionen findet man dann doch immer wieder, wo dann der Teil der Struktur fehlt den man grade sucht). 

Für den Erfolg dieser Methode müssen wir nicht einmal zurück zu den Zeiten der Bibel gehen. Der Bullet Journal Hype unserer Tage zeigt, dass es selbst heute manchmal eben doch noch ein Blatt Papier sein muss auf dem wir unsere essentiellsten Dinge gesammelt aufschreiben und dann beruhigenderweise auch dort wiederfinden.

 

 

Wie man das noch nennen kann wenn man neue Begriffe für alte Ideen braucht:

—  Sitemap
—  Flowchart
—  Templatestruktur

An welcher Stelle die Template – und Modulproduktion im Projekt stattfindet:

1 —  Verkaufskonzept
2 —  Sitemap
3 —  Prozessdesign
4 —  Templates
5 —  Module
6 —  Interface Design
7 —  Programmierung

 

Was ich auf diesen Screens gemacht habe

Erstmal alle Sitemaps inhaltlich recherchiert und die Struktur gezeichnet. Dann, bei etwa der Hälfte der hier gezeigten Sitemaps habe ich die gezeigte Struktur selbst konzipiert. Sie stammen aus Projekten, bei denen ich neben dieser Sitemap auch eine Strategie und Interfacekonzeption für eine neue Anwendung entwickelt habe. Ich denke mir also, einfach gesagt Inhalte aus und überlege mir, wo sie hinkommen müssten, basierend auf der von mir entwickelten Verkaufsidee. 

Die andere Hälfte der hier gezeigten Beispiele stammt aus Projekten, wo es um die Optimierung einer Struktur ging. Die Seiten an sich bestanden schon oder wurden von anderen Teams erarbeitet. Teilweise gab es auch schon das Verkaufskonzept. Bei solchen Projekten “visualisiere” ich die Struktur nur, was oft einer detektivischen Arbeit nahekommt. Es kann dann schon mal vorkommen dass Projektbeteiligten so viel auffällt was nicht funktioniert oder umständlich ist, dass die “dokumentierende” Sitemap dann schnell eine konzeptionelle Funktion einnimmt.

In beiden Fällen füge ich der Sitemap immer Informationen zu Templates und Modulen hinzu. Der Platz dafür ist da und es spart allen Beteiligten so dermaßen viel Zeit und Mühe, dass es keinen Sinn macht, es nicht zu tun.